Hausschwamm erkennen: Anzeichen, Gefahr und was die Sanierung bedeutet

Echten Hausschwamm erkennst du an rostbraunen, fladenartigen Fruchtkörpern mit weißem Rand, an grauen Strängen über Mauerwerk und an Holz, das in Würfel zerbricht. Er braucht feuchtes Holz, wächst aber in trockene Bereiche weiter. Verdacht heißt: Feuchtequelle stoppen und den Pilz bestimmen lassen.

Kurz zusammengefasst

Der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) ist der gefährlichste holzzerstörende Pilz in deutschen Gebäuden. Er zerlegt Balken, Dielen und Treppen durch Braunfäule und kann Wasser über seine Stränge transportieren. Deshalb wandert er durch Fugen und Mauerwerk in Bereiche, die für andere Pilze zu trocken sind.

Saniert wird nach DIN 68800-4: befallenes Holz plus einen Meter Sicherheitszone raus, Putz und Schüttungen im Umkreis von eineinhalb Metern ebenfalls. Gebäudeversicherungen schließen Schwammschäden fast immer aus. In Sachsen musst du den Befall der Bauaufsicht anzeigen.

Woran du echten Hausschwamm erkennst

Typisch sind rostbraune, fleischige Fruchtkörper mit scharfem weißem Zuwachsrand, rostbrauner Sporenstaub auf Böden und Möbeln, weißes watteartiges Mycel und Holz, das quer zur Faser in Würfel reißt. Sicher bestimmt wird der Pilz nur mikroskopisch oder im Labor.

Meist fällt der Befall erst spät auf. Die Dielen im Erdgeschoss federn, eine Fußleiste lässt sich mit dem Finger eindrücken, oder auf dem Kellerregal liegt ein feiner, zimtfarbener Staub. Dieser Staub sind Sporen. Für viele Eigentümer ist diese Schicht der erste Hinweis.

Diese Merkmale nennt das Umweltbundesamt für den Echten Hausschwamm:

  • Fruchtkörper rötlich bis bräunlich, fleischig dick, mit scharf begrenztem weißem Rand
  • rostbraune Fruchtschicht, die beim Reifen Sporenpulver abgibt
  • weißes, durchscheinendes Luftmycel, oft in Hohlräumen hinter Verkleidungen
  • Braunfäule: Das Holz bekommt würfelartige Risse und zerfällt am Ende zu Pulver

Dazu kommen die Stränge. Sie sehen aus wie graue Schnüre, sind teils bleistiftdick und ziehen über Putz, durch Mörtelfugen und hinter Fliesen. Getrocknet werden sie hart und brechen mit einem hörbaren Knacken. Viele Sachverständige achten auch auf den Geruch: Ein starker, pilziger Kellergeruch in einem Raum, der optisch trocken wirkt, ist ein Grund, hinter Verkleidungen zu schauen.

Wo du suchen solltest: Balkenköpfe in Außenwänden, Holzbalkendecken über feuchten Kellern, Dielen auf Schüttungen, Fensterbänke und Treppenantritte, Bereiche unter Bädern und alte Leitungsschäden. Die Bedingungen sind klar umrissen. Laut Umweltbundesamt wächst der Pilz ab etwa 25 Prozent Holzfeuchte, am besten bei 35 bis 55 Prozent und bei 18 bis 22 °C. Unter 20 Prozent Holzfeuchte stellt er das Wachstum ein, über 26 °C ebenfalls. Kühle, schlecht belüftete Altbaukeller und Erdgeschossdecken passen deshalb genau in sein Profil.

Hausschwamm, Kellerschwamm oder Schimmel?

Der Unterschied entscheidet über den Sanierungsumfang. Echter Hausschwamm wächst durch Mauerwerk und verlangt Sicherheitszonen. Brauner Kellerschwamm und Porenschwämme bleiben meist am nassen Holz. Schimmel zerstört kein Holz, ist aber gesundheitlich das größere Problem. Ohne Bestimmung kannst du nicht seriös kalkulieren.

Wer nur „Schwamm im Keller“ sagt, meint oft drei verschiedene Dinge. Für die Praxis reicht diese grobe Einordnung, die du mit eigenen Augen vornehmen kannst, bevor der Fachmann kommt:

Merkmal Echter Hausschwamm Brauner Kellerschwamm Weißer Porenschwamm Schimmel
Stränge grau, teils bleistiftdick, trocken spröde und brechen hörbar dünn, braun bis schwarz weiß, bleiben auch trocken biegsam keine
Mycel weiß, watteartig, später grau mit gelben bis violetten Flecken spärlich, bräunlich weiß, flächig, oft eisblumenartig Flecken in Schwarz, Grün, Grau auf der Oberfläche
Schaden am Holz Braunfäule mit Würfelbruch, Holz zerfällt Braunfäule, oft unter einer noch intakten Oberfläche Braunfäule mit Würfelbruch kein Festigkeitsverlust
Feuchtebedarf ab etwa 25 % Holzfeuchte, wandert in trockenere Bereiche sehr nasses Holz, typisch nach Wasserschäden nasses Holz, oft im Dachbereich oder an Leckstellen feuchte Oberflächen genügen
Mauerwerk wächst durch Fugen und Mauerwerk selten, transportiert kein Wasser in trockene Zonen selten nur oberflächlich
Folge für die Sanierung Sicherheitszonen nach DIN 68800-4, Mauerwerksbehandlung Holz tauschen, trocknen, deutlich kleinerer Umfang Holz tauschen, trocknen, deutlich kleinerer Umfang Ursache beheben, befallenes Material entfernen, Gesundheitsschutz

Die Tabelle ersetzt keine Bestimmung, hilft dir aber im Gespräch mit dem Handwerker. Ein Betrieb, der ohne Probe sofort „Echter Hausschwamm, alles raus“ sagt, verkauft dir unter Umständen eine viel größere Sanierung als nötig. Umgekehrt ist ein Betrieb, der einen grauen Strang über dem Mauerwerk als „harmlosen Kellerschwamm“ abtut, ein Risiko. Wie Schimmel bewertet wird, steht ausführlich in unserem Beitrag zum Schimmelgutachten.

Wie gefährlich Hausschwamm für Haus und Gesundheit ist

Für das Gebäude ist Hausschwamm sehr gefährlich, weil er tragende Balken bis zum Einsturz schwächen kann. Für Menschen gilt er laut Umweltbundesamt nicht als Gesundheitsschädling. Allergien gegen die Sporen sind möglich, und seine Fruchtkörper nähren Schimmel.

Die eigentliche Gefahr ist die Standsicherheit. Braunfäule baut die Zellulose ab, die dem Holz Zugfestigkeit gibt. Ein Deckenbalken kann außen noch gesund aussehen und innen schon bröseln. Liegen die Balkenköpfe in einer feuchten Außenwand, sind ausgerechnet die Auflager betroffen, an denen die ganze Last hängt. Deshalb steht in jedem seriösen Sanierungsablauf die Prüfung der Standsicherheit ganz vorn, notfalls mit Abstützung, bevor jemand den Boden betritt.

Gesundheitlich ist die Lage entspannter, als Internetforen vermuten lassen. Das Umweltbundesamt stuft den Pilz nicht als Gesundheitsschädling ein. Wer allergisch reagiert, merkt das trotzdem, und wo Hausschwamm wächst, ist es feucht genug für Schimmel. Für dich heißt das: Die Wohnung musst du nicht fluchtartig verlassen, den befallenen Raum aber geschlossen halten und nicht als Lager weiter nutzen.

Wie schnell es geht, hängt an der Feuchte. Bei dauerhaft nassem Mauerwerk und stehender Luft frisst sich der Pilz über Monate durch eine Balkenlage. Wird die Feuchtequelle abgestellt und trocknet das Holz unter 20 Prozent, stellt er das Wachstum ein. Tot ist er damit nicht: Er kann trocken überdauern und bei neuer Feuchte wieder aktiv werden. Deshalb reicht Trocknen allein als Sanierung nicht aus.

So läuft eine Sanierung nach DIN 68800-4 ab

Erst Pilz bestimmen und Standsicherheit prüfen, dann Feuchteursache abstellen. Danach wird befallenes Holz plus ein Meter Sicherheitszone entfernt, Putz und Schüttungen im Umkreis von eineinhalb Metern ausgebaut und durchwachsenes Mauerwerk mit einem zugelassenen Schwammsperrmittel behandelt.

Die Regeln für die Bekämpfung stehen in DIN 68800-4 (Ausgabe Dezember 2020). Das Umweltbundesamt fasst den Ablauf so zusammen, ergänzt um die Praxisschritte aus der Merkblattliteratur:

  1. Bestimmen und sichern. Probe nehmen, Pilzart bestimmen, Standsicherheit prüfen und tragende Teile bei Bedarf abstützen.
  2. Sporen eindämmen. Fruchtkörper und Sporenstaub entfernen, nicht befallene Räume staubdicht abtrennen.
  3. Ursache abstellen. Leitung, Dach, Regenrinne, fehlende Abdichtung oder aufsteigende Feuchtigkeit finden und beseitigen. Ohne diesen Schritt kommt der Pilz zurück.
  4. Freilegen. Verkleidungen, Fliesen, Dielen und Deckenfüllungen öffnen. Balkenauflager und Mauerlatten auch dann freilegen, wenn sie gesund wirken.
  5. Ausbauen. Befallenes Holz plus einen Meter in jede Richtung ab dem letzten sichtbaren Befall entfernen. Putz und lose Fugen im Umkreis von eineinhalb Metern abschlagen, durchwachsene Schüttungen und Dämmstoffe einschließlich eineinhalb Metern Sicherheitsabstand entsorgen.
  6. Mauerwerk prüfen und behandeln. Pro Quadratmeter mindestens einen Stein ausbauen und auf Mycel kontrollieren. Durchwachsenes Mauerwerk wird je nach Zustand geflutet oder per Bohrlochtränkung mit einem bauaufsichtlich zugelassenen Schwammsperrmittel behandelt.
  7. Nachbarbereiche kontrollieren. Angrenzende Räume, Geschosse und bei Reihen- oder Doppelhäusern das Nachbarhaus untersuchen.
  8. Trocknen und wieder aufbauen. Erst nach ausreichender Trocknung neues Holz einbauen, chemische Maßnahmen am Bauteil kennzeichnen.

Eine Alternative zur Chemie ist das Heißluftverfahren. Laut Umweltbundesamt wird der Echte Hausschwamm ab 50 °C abgetötet, und zwar nur, wenn das Holz überall, also auch im Kern, diese Temperatur erreicht. Das dauert typischerweise zwei bis 16 Stunden je Raum, die Oberflächen sollten dabei 120 °C nicht überschreiten, und danach muss die Holzfeuchte unter 20 Prozent liegen. Das ist Arbeit für Fachbetriebe mit Messtechnik, nicht für den Heizlüfter aus dem Baumarkt.

Expert Insight

Trenn Bestimmung und Ausführung. Wer den Pilz bestimmt und den Sanierungsumfang festlegt, sollte nicht derselbe Betrieb sein, der danach nach Quadratmetern abrechnet. Ein unabhängiger Sachverständiger für Holzschutz schreibt ein Sanierungskonzept mit Zonen und Mengen, die Fachfirma kalkuliert darauf. So kannst du zwei Angebote überhaupt erst vergleichen, und bei einem späteren Streit mit Verkäufer oder Versicherer hast du ein neutrales Dokument in der Hand.

Rechenbeispiel: warum aus einem Fleck eine Baustelle wird

Die Sicherheitszonen erklären, warum Angebote für Hausschwamm-Sanierungen so viel höher ausfallen als erwartet. Nimm einen typischen Fund: An der Kellerwand eines Hauses von 1910 sitzt ein Fruchtkörper, 40 cm breit und 60 cm hoch, seine Unterkante liegt 80 cm über dem Boden. Der Keller ist 2,20 m hoch, darüber liegt eine Holzbalkendecke mit Balken im Abstand von etwa 80 cm.

Position Rechnung Ergebnis
Sichtbarer Befall an der Wand 0,40 m × 0,60 m 0,24 m²
Breite der Putz-Sicherheitszone 0,40 m + 2 × 1,50 m 3,40 m
Höhe der Zone Unterkante 0,80 m − 1,50 m reicht bis zum Boden, Oberkante 1,40 m + 1,50 m = 2,90 m ganze Wandhöhe 2,20 m, Rest 0,70 m geht in die Decke
Putz abschlagen an der Wand 3,40 m × 2,20 m 7,48 m²
Deckenfeld öffnen und Schüttung prüfen 3,40 m × 0,70 m 2,38 m²
Balkenköpfe freilegen 3,40 m Zone ÷ 0,80 m Balkenabstand 4 bis 5 Auflager
Kontrollsteine ausbauen mindestens 1 Stein je m² bei 7,48 m² mindestens 8 Steine
Holz tauschen, falls ein Balkenkopf 30 cm tief befallen ist 0,30 m + 1,00 m Sicherheitszone 1,30 m Balken ersetzen oder anschuhen

Aus einem Fleck von 0,24 m² werden also knapp 7,5 m² Wandfläche, rund 2,4 m² Decke und mehrere Balkenköpfe, die geöffnet werden müssen. Genau deshalb kannst du die Kosten erst seriös einschätzen, wenn freigelegt ist. Ein Festpreis vor dem Öffnen ist entweder großzügig gepolstert oder wird später nachverhandelt. Lass dir Angebote mit Mengen und Einheitspreisen geben, dann siehst du, welche Position wächst, wenn mehr Befall zum Vorschein kommt.

Meldepflicht, Versicherung und Steuer

In Sachsen musst du Hausschwamm der Bauaufsicht anzeigen, in Thüringen bestand zuletzt eine Anzeigepflicht. Die Wohngebäudeversicherung zahlt Schwammschäden in aller Regel nicht. Die Arbeitskosten kannst du bei selbst genutztem Wohnraum mit 20 Prozent, höchstens 1.200 Euro im Jahr, von der Steuer abziehen.

Meldepflicht. Früher galt sie in vielen Ländern, heute nur noch in wenigen. In Sachsen regelt sie § 13 Abs. 2 der Sächsischen Bauordnung (Stand 19.03.2024): Wer für den Zustand des Gebäudes verantwortlich ist, muss bei Befall durch Hausbock oder echten Hausschwamm unverzüglich ein Fachunternehmen beauftragen, und zwar auf Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung. Der Bauaufsichtsbehörde zeigst du die Beauftragung und den Abschluss der Arbeiten schriftlich an. Für Thüringen nannte der Landtag 2022 eine Anzeigepflicht nach § 13 Abs. 2 der Thüringer Bauordnung. Die Bauordnung wurde 2024 neu gefasst, deshalb fragst du dort vor Beginn kurz bei der unteren Bauaufsicht nach. In den übrigen Ländern verweist das Umweltbundesamt auf die jeweilige Landesbauordnung.

Versicherung. Hier liegt die bitterste Überraschung. Die meisten Wohngebäudebedingungen schließen Schäden „durch Schwamm“ aus, auch wenn ein versicherter Rohrbruch die Ursache war. Der Bundesgerichtshof hat am 27.06.2012 (Az. IV ZR 212/10) entschieden, dass diese Klausel alle Hausfäulepilze erfasst, im Fall ging es um Braunen Kellerschwamm. Das OLG Köln hat die Wirksamkeit am 10.02.2026 (Az. 9 U 19/23) bestätigt. Ersetzt wurden dort nur die reinen Nässeschäden ohne Zusammenhang mit dem Pilz, gut 4.989 Euro. Für dich bedeutet das: Melde einen Leitungswasserschaden trotzdem sofort und lass den Nässeschaden getrennt dokumentieren. Den Pilzanteil zahlst du in aller Regel selbst.

Steuer. Bewohnst du das Haus selbst, gilt § 35a Abs. 3 EStG: 20 Prozent der Arbeitskosten mindern die Einkommensteuer, höchstens 1.200 Euro pro Jahr. Bei 6.000 Euro Lohnanteil ist die Grenze genau erreicht. Material zählt nicht, und du brauchst eine Rechnung mit ausgewiesenem Arbeitslohn und eine Überweisung, keine Barzahlung. Zieht sich die Sanierung über den Jahreswechsel, kannst du die Rechnungen auf zwei Jahre verteilen und den Höchstbetrag zweimal nutzen. Vermieter setzen die Kosten stattdessen als Werbungskosten an.

Wichtiger Hinweis

Die Angaben zu Meldepflicht, Gewährleistung, Versicherung und Steuer geben den Stand vom Oktober 2026 wieder. Landesbauordnungen und Versicherungsbedingungen unterscheiden sich, entscheidend sind dein Bundesland und dein konkreter Vertrag. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Hausschwamm beim Hauskauf, im Erbe oder in der Mietwohnung

Vor dem Kauf lässt du einen Verdacht durch einen Sachverständigen für Holzschutz klären und verhandelst mit dessen Einschätzung. Nach dem Kauf hilft dir meist nur der Nachweis, dass der Verkäufer den Befall kannte. Als Mieter meldest du den Fund sofort dem Vermieter.

Was zu tun ist, hängt davon ab, wann du den Pilz findest und in welcher Rolle du bist:

Deine Situation Was du jetzt tust Worauf es ankommt
Verdacht im eigenen Haus Feuchtequelle stoppen, soweit möglich, Raum schließen, Fotos machen, Sachverständigen für Holzschutz holen Nichts abkratzen, bevor eine Probe genommen ist. In Sachsen gilt die Anzeigepflicht.
Verdacht bei der Besichtigung vor dem Kauf Zweiten Termin mit Sachverständigem vereinbaren, eine Prüföffnung mit dem Verkäufer absprechen Kaufpreis erst nach der Einschätzung verhandeln, bekannten Befall im Kaufvertrag benennen.
Fund nach dem Kauf Beweise sichern, Exposé, Protokolle und Kaufvertrag prüfen, Fachanwalt einschalten Ansprüche trotz Ausschluss nur bei Arglist, Fristen nach § 438 BGB beachten.
Geerbtes Haus Befall begutachten lassen und im Wertgutachten berücksichtigen Beim späteren Verkauf musst du einen bekannten Befall offenlegen, sonst haftest du selbst wegen Arglist.
Mietwohnung Vermieter sofort schriftlich informieren, nach § 536c BGB bist du dazu verpflichtet Nicht selbst sanieren. Eine Mietminderung kommt in Betracht, solange der Mangel besteht.
Leitungswasserschaden mit Pilzbefall Schaden sofort beim Versicherer melden, Nässeschaden getrennt dokumentieren lassen Den Pilzanteil schließt die Schwammklausel meist aus, den reinen Nässeschaden nicht.

Beim Kauf lohnt ein genauer Blick auf die Gewährleistung. Ohne Vereinbarung verjähren Mängelansprüche bei einem Bauwerk nach § 438 Abs. 1 Nr. 2 BGB in fünf Jahren ab Übergabe. In fast jedem notariellen Kaufvertrag über eine Bestandsimmobilie steht aber ein Gewährleistungsausschluss. Darauf kann sich der Verkäufer nach § 444 BGB nicht berufen, wenn er den Mangel arglistig verschwiegen hat. Dann gilt die regelmäßige Verjährung, mindestens aber die fünf Jahre (§ 438 Abs. 3 BGB). Den Nachweis musst du führen: frisch gestrichene Kellerwände, neue Fußleisten vor genau der befallenen Wand, eine alte Rechnung über „Holzschutzarbeiten“ in den Unterlagen. Wie die Fristen im Detail laufen, erklärt unser Beitrag zu Baumängeln und Verjährung.

Bei einem Altbau mit Holzbalkendecken und feuchtem Keller ist ein Fachmann bei der Besichtigung gut investiertes Geld. Was ein Bausachverständiger bei der Kaufbegehung prüft, haben wir separat beschrieben. Für Hausschwamm suchst du gezielt jemanden mit dem Sachgebiet Holzschutz, etwa über das bundesweite Sachverständigenverzeichnis der IHKs. Erben, die das Haus bewerten lassen, sollten den Befall offen in das Wertgutachten für das geerbte Haus aufnehmen lassen. Ein Schaden, den der Gutachter kennt, senkt den Wert und damit unter Umständen die Erbschaftsteuer.

Meine Einschätzung

Ein Haus mit Hausschwamm kann ein gutes Geschäft sein, wenn der Befall begrenzt ist, die Ursache klar und der Preisnachlass die Sanierung im ungünstigen Fall abdeckt. Rechne dafür mit dem Mengengerüst aus dem Rechenbeispiel und leg eine Reserve für das drauf, was erst beim Öffnen auftaucht. Nicht lohnt sich der Kauf, wenn Stränge über mehrere Geschosse laufen, das Haus als Reihenmittelhaus zwischen ungeprüften Nachbarn steht oder der Verkäufer keine Prüföffnung erlaubt. Im letzten Fall würde ich die Besichtigung beenden.

Typische Fehler, die eine Sanierung teurer machen

Die teuersten Fehler sind Abwarten, Abkratzen ohne Bestimmung, Sanieren ohne die Feuchteursache zu beheben und das Wegwerfen von Beweisen vor einem Streit mit Verkäufer oder Versicherung. Auch das Nachbarhaus und die Etage darüber werden oft vergessen.

Nur das sichtbare Holz tauschen. Der neue Balken liegt dann im selben Mauerwerk, durch das die Stränge weiterwachsen. Ein Jahr später sitzt der Fruchtkörper am neuen Holz. Die Sicherheitszonen der Norm gibt es genau aus diesem Grund.

Mycel abbürsten oder absaugen, bevor jemand eine Probe hat. Damit verteilst du Sporen im Haus und vernichtest das Material, das der Sachverständige für die Bestimmung braucht.

Mit Mitteln aus dem Baumarkt sprühen. Schimmelspray erreicht weder das Holzinnere noch die Stränge im Mauerwerk. Für die Mauerwerksbehandlung gibt es bauaufsichtlich zugelassene Schwammsperrmittel, die Fachbetriebe verarbeiten. Ins Erdreich darf davon nichts gelangen.

Trocknen, ohne die Ursache zu finden. Ein Bautrockner senkt die Feuchte im Raum, die defekte Leitung in der Wand bleibt. In alten Kellern kommt die Nässe oft von außen oder von unten, dazu mehr im Beitrag zu Feuchtigkeit im Keller.

Beweise wegwerfen. Planst du Ansprüche gegen den Verkäufer, dokumentierst du vor dem Ausbau mit Fotos, Maßstab, Datum und am besten mit einem Gutachten. Ausgebaute Balkenstücke mit Fruchtkörpern hebst du in einer Tüte auf. Was entsorgt ist, kann kein Gericht mehr ansehen.

Das Haus nebenan ignorieren. Bei Reihen- und Doppelhäusern macht der Pilz nicht an der Grundstücksgrenze halt. Sprich die Nachbarn an, bevor du teuer sanierst und die Stränge aus der gemeinsamen Wand zurückkommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rostbrauner Sporenstaub, graue Stränge und würfelig zerfallendes Holz sind die deutlichsten Anzeichen.
  • Erst bestimmen lassen, dann sanieren. Kellerschwamm und Porenschwamm brauchen viel weniger Aufwand.
  • Saniert wird nach DIN 68800-4 mit einem Meter Zone im Holz und eineinhalb Metern in Putz und Schüttung.
  • Die Gebäudeversicherung zahlt den Pilzschaden meist nicht, das Finanzamt beteiligt sich über § 35a EStG an den Arbeitskosten.
  • Beim Kauf mit Gewährleistungsausschluss hilft dir nur der Nachweis der Arglist, deshalb vorher prüfen.

Häufige Fragen zu Hausschwamm

Bei welcher Temperatur stirbt Hausschwamm?

Laut Umweltbundesamt ab 50 °C, wenn das Holz durchgehend so warm wird. Im Heißluftverfahren dauert das zwei bis 16 Stunden je Raum. Wachstum stellt der Pilz schon über 26 °C ein, das tötet ihn aber nicht ab.

Ist Hausschwamm meldepflichtig?

In Sachsen ja, nach § 13 Abs. 2 der Sächsischen Bauordnung musst du Beauftragung und Abschluss der Sanierung der Bauaufsicht schriftlich anzeigen. Für Thüringen bestand zuletzt ebenfalls eine Anzeigepflicht. In anderen Ländern gibt die Landesbauordnung oder das Bauamt Auskunft.

Zahlt die Gebäudeversicherung bei Hausschwamm?

Meist nicht. Die übliche Schwammklausel schließt alle Hausfäulepilze aus, auch nach einem versicherten Rohrbruch. Das hat der BGH 2012 bestätigt, das OLG Köln 2026 erneut. Den reinen Nässeschaden ohne Pilzbezug kann der Versicherer trotzdem ersetzen müssen.

Kann ich Hausschwamm selbst entfernen?

Einen einzelnen Fruchtkörper abzunehmen, löst das Problem nicht. Der Pilz sitzt mit seinen Strängen in Mauerwerk und Hohlräumen. Freilegen, Sicherheitszonen und Mauerwerksbehandlung gehören in die Hand eines Fachbetriebs, in Sachsen schreibt die Bauordnung das sogar vor.

Ist ein Haus mit Hausschwamm noch zu retten?

In aller Regel ja. Entscheidend sind Ausdehnung und die betroffenen tragenden Teile. Ein früh entdeckter Befall an einem Balkenkopf ist eine überschaubare Baustelle, eine durchwachsene Balkenlage über mehrere Geschosse ein großes Projekt. Das zeigt sich erst nach dem Freilegen.

Quellen

  • Umweltbundesamt: Echter Hausschwamm, Themenseite, zuletzt aktualisiert am 15.10.2026
  • DIN 68800-4:2020-12 Holzschutz, Teil 4: Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten
  • Informationsdienst Holz / holzfragen.de: Merkblatt Bekämpfung Echter Hausschwamm nach DIN 68800-4, abgerufen am 28.10.2026
  • Sächsische Bauordnung (SächsBO), § 13 Abs. 2, rechtsbereinigt mit Stand vom 19.03.2024, revosax.sachsen.de
  • Thüringer Landtag, Drucksache 7/6594 vom 03.11.2022: Meldepflicht von echtem Hausschwamm nach § 13 Abs. 2 Thüringer Bauordnung
  • Bundesgerichtshof, Urteil vom 27.06.2012, Az. IV ZR 212/10 (Schwammklausel in der Wohngebäudeversicherung)
  • OLG Köln, Urteil vom 10.02.2026, Az. 9 U 19/23, Bericht Otto Schmidt Verlag vom 04.05.2026
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), §§ 438, 444, 536c, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 28.10.2026
  • Einkommensteuergesetz (EStG), § 35a Abs. 3, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 28.10.2026
  • Blaschke, M.: Der Hausschwamm, Pilz des Jahres 2004, LWF aktuell 44, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, waldwissen.net