Einen eigenen Gutachter brauchst du beim Wasserschaden nur, wenn Ursache, Umfang oder Höhe der Entschädigung strittig sind. Den Sachverständigen der Versicherung zahlt der Versicherer. Deinen eigenen zahlst du selbst, außer der Vertrag sieht etwas anderes vor oder der Versicherer fordert ihn an.
Kurz zusammengefasst
- Den Schaden meldest du unverzüglich, sonst riskierst du nach § 30 VVG Ärger mit der Leistung.
- Kosten für einen selbst beauftragten Sachverständigen erstattet der Versicherer nach § 85 Abs. 2 VVG grundsätzlich nicht.
- Bist du mit dem Angebot nicht einverstanden, kannst du ein Sachverständigenverfahren verlangen. Es rechnet sich erst bei einer größeren Differenz.
- Rückstau und Grundwasser sind kein Leitungswasser. Dafür brauchst du eine Elementarschadenversicherung.
- Bei der Trocknung entscheiden Messwerte über das Ende, nicht der Kalender. Zählerstände für den Trocknerstrom fotografierst du am ersten und letzten Tag.
Leitungswasser ist der teuerste Alltagsschaden am Haus. Nach Zahlen des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) registrierten die Wohngebäudeversicherer 2024 rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden mit einem Aufwand von 4,9 Milliarden Euro. Ein durchschnittlicher Schaden kostete 2024 4.343 Euro, für 2025 meldet der GDV mehr als 5.000 Euro. Bei solchen Summen lohnt es sich, die Regeln zu kennen, bevor der Trocknungstrupp anrückt.
Wann sich ein eigener Gutachter beim Wasserschaden lohnt
Ein eigener Gutachter lohnt sich, wenn die Versicherung die Ursache bestreitet, nur einen Teil der Fläche anerkennt oder deutlich weniger anbietet, als die Sanierung kostet. Bei einem klar begrenzten Schaden, den der Versicherer ohne Streit reguliert, sparst du dir das Honorar.
Die meisten Wasserschäden laufen ohne Streit: Rohr geplatzt, Installateur findet das Leck, Trocknungsfirma rückt an, Versicherer zahlt nach Kostenvoranschlag. Der Regulierer oder Sachverständige, den die Versicherung schickt, arbeitet dabei im Auftrag des Versicherers. Das ist kein Vorwurf, aber du solltest wissen, wessen Fragen er beantwortet. Er klärt, ob ein versicherter Leitungswasserschaden vorliegt und welche Arbeiten aus Sicht des Versicherers nötig sind.
Ein unabhängiger Bausachverständiger auf deiner Seite wird dann interessant, wenn sich die Darstellungen auseinanderentwickeln. Die folgende Entscheidungshilfe zeigt, wann du ihn holen solltest und wann nicht.
| Wenn … | … dann |
|---|---|
| der Versicherer den Schaden anerkennt und das Angebot zu deinen Handwerkerangeboten passt | kein eigener Gutachter nötig, Angebote und Fotos reichen |
| der Versicherer von „Dauerdurchfeuchtung“, „Altschaden“ oder „Undichtigkeit der Fuge“ statt Rohrbruch spricht | eigenen Sachverständigen zur Ursachenfrage beauftragen, bevor du zustimmst |
| nur ein Raum anerkannt wird, du aber Feuchte in Nachbarräumen oder in der Dämmschicht unter dem Estrich vermutest | Feuchtemessung mit Messprotokoll durch einen Sachverständigen |
| die Differenz zwischen Angebot und tatsächlichen Kosten im vierstelligen Bereich liegt | erst verhandeln, Handwerkerangebote nachreichen, Gutachter nur für die strittigen Positionen |
| die Differenz deutlich im fünfstelligen Bereich liegt | Sachverständigenverfahren nach den Bedingungen prüfen (Rechenbeispiel weiter unten) |
| nach der Trocknung Schimmel oder ein Pilzbefall im Holz auftaucht | Sachverständigen für Schimmel bzw. Holzschäden, und zwar schnell |
Beim letzten Punkt hilft dir unser Beitrag zum Schimmelgutachten. Achte dabei auf eine Falle: Schwamm und alle Arten von Hausfäulepilzen sind in den Musterbedingungen des GDV (VGB 2022, A 4.5.2) vom Leitungswasserschutz ausgenommen. Wie du einen Befall erkennst, steht im Beitrag zum Hausschwamm.
Welche Versicherung welchen Teil des Wasserschadens zahlt
Die Wohngebäudeversicherung zahlt alles, was fest zum Gebäude gehört: Rohre, Estrich, Putz, Wandfliesen und individuell eingebaute Küchen. Die Hausratversicherung zahlt bewegliche Einrichtung. Hat jemand den Schaden verursacht, kann seine Haftpflicht einspringen. Rückstau und Grundwasser deckt nur der Elementarschutz.
Die Abgrenzung klingt banal, kostet in der Praxis aber Wochen, weil jeder Versicherer auf den anderen zeigt. Die Musterbedingungen des GDV (VGB 2022, A 7.2) zählen Einbaumöbel und Einbauküchen nur dann zum Gebäude, wenn sie individuell gefertigt und mit großem Aufwand angepasst sind. Eine serienmäßige Anbauküche ist Hausrat.
| Schaden | Zuständig in der Regel | Typischer Streitpunkt |
|---|---|---|
| Geplatztes Rohr, nasser Estrich, Putz, Fliesen | Wohngebäudeversicherung des Eigentümers | Umfang der Trocknung, Rückbau der Dämmschicht |
| Sofa, Teppich, Elektrogeräte, serienmäßige Küche | Hausratversicherung des Bewohners | Zeitwert oder Neuwert, Nachweis der Anschaffung |
| Mieter oben lässt Waschmaschinenschlauch platzen, Decke unten nass | Gebäudeversicherung, die ggf. bei der Haftpflicht des Verursachers Regress nimmt | Verschulden, Wartung des Schlauchs |
| Wasser drückt nach Starkregen aus dem Bodenablauf | nur Elementarschadenversicherung (Rückstau) | fehlende Rückstausicherung |
| Grundwasser oder Hochwasser im Keller | nur Elementarschadenversicherung | Abgrenzung zur undichten Kellerabdichtung |
| Fehlende Miete, weil die Wohnung unbewohnbar ist | Wohngebäudeversicherung des Vermieters (Mietausfall) | Höchstdauer laut Vertrag |
Die Rückstau-Zeile überrascht viele Eigentümer. Nach VGB 2022, A 4.5.3 sind Schäden durch Grundwasser, Überschwemmung, Witterungsniederschläge und einen dadurch verursachten Rückstau vom Leitungswasserschutz ausgeschlossen. Wenn der Keller regelmäßig feucht ist und kein Rohr leckt, liegt die Ursache oft ganz woanders. Wie du das eingrenzt, erklärt der Beitrag Feuchtigkeit im Keller: Ursachen finden und richtig beheben.
Was du in den ersten Tagen tun musst, damit die Versicherung zahlt
Wasser abstellen, Schaden fotografieren, Versicherer unverzüglich informieren und vor größeren Arbeiten eine Weisung einholen. Wer als Mieter wohnt, meldet den Schaden sofort dem Vermieter. Die Schadenstelle veränderst du nur so weit, wie es zur Schadenminderung nötig ist.
Die Reihenfolge ist wichtiger als Tempo beim Aufreißen. Das Versicherungsvertragsgesetz verpflichtet dich, den Schaden nach Möglichkeit abzuwenden und zu mindern (§ 82 Abs. 1 VVG) und Weisungen des Versicherers einzuholen, wenn die Umstände das zulassen (§ 82 Abs. 2 VVG). Verletzt du diese Pflicht grob fahrlässig, darf der Versicherer kürzen. Im Gegenzug muss er dir Aufwendungen für die Schadenminderung erstatten, auch wenn sie erfolglos bleiben (§ 83 Abs. 1 VVG), und auf Verlangen sogar vorschießen.
| Zeitpunkt | Was zu tun ist | Grundlage |
|---|---|---|
| Sofort | Haupthahn zu, Strom in nassen Bereichen aus, Wasser aufnehmen, Möbel hochstellen, Fotos und Video mit Datum | § 82 Abs. 1 VVG |
| Unverzüglich, also ohne schuldhaftes Zögern | Versicherer informieren, Schadennummer notieren; Mieter informieren den Vermieter | § 30 Abs. 1 VVG, § 536c BGB |
| Vor Leckortung und Trocknung | Fragen, ob der Versicherer eine eigene Firma schickt oder du beauftragen darfst; Antwort schriftlich festhalten | § 82 Abs. 2 VVG |
| Erster und letzter Trocknungstag | Stromzähler fotografieren, Messprotokolle der Trocknungsfirma anfordern | Nachweis für § 83 VVG |
| Ein Monat nach der Schadenmeldung | Sind die Erhebungen nicht abgeschlossen, Abschlagszahlung verlangen | § 14 Abs. 2 VVG |
| Zwei Wochen nach Aufforderung | Im Sachverständigenverfahren den zweiten Sachverständigen benennen, sonst ernennt ihn das Amtsgericht | VGB 2022, A 18.3.1 |
| Drei Jahre ab Jahresende | Ansprüche verjähren in der Regel; offene Streitpunkte vorher klären | §§ 195, 199 BGB |
Wichtiger Hinweis
Die Paragrafen aus den Musterbedingungen (VGB 2022) zeigen den Standard des GDV. Dein Vertrag kann abweichen, etwa bei Höchstbeträgen, Selbstbeteiligung oder einer eigenen Klausel zu Sachverständigenkosten. Lies deshalb die Bedingungen deines Versicherers, bevor du Aufträge vergibst. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Was ein Gutachter beim Wasserschaden kostet und wer ihn bezahlt
Den Sachverständigen, den die Versicherung schickt, bezahlt sie. Deinen eigenen Gutachter bezahlst du nach § 85 Abs. 2 VVG selbst, es sei denn, dein Vertrag verpflichtet dich dazu oder der Versicherer fordert dich auf. Orientierung bietet der gerichtliche Stundensatz von 114 Euro netto.
Viele Ratgeber schreiben, die Versicherung übernehme „die Gutachterkosten“. Das stimmt nur halb. § 85 Abs. 1 VVG verpflichtet den Versicherer zwar, die Kosten für die Ermittlung und Feststellung des Schadens zu erstatten, soweit sie geboten waren. Absatz 2 nimmt aber ausdrücklich die Kosten für einen Sachverständigen oder Beistand aus, den du von dir aus hinzuziehst. Leckortung und Feuchtemessung durch die Trocknungsfirma gehören dagegen regelmäßig zur Schadenermittlung. Einen Gutachter, der dich gegen den Versicherer berät, zahlst du dagegen im Normalfall selbst.
Für die Honorarhöhe gibt es keine Gebührenordnung. Private Sachverständige vereinbaren ihr Honorar frei, je nach Region und Anbieter. Einen belastbaren Anker bietet das Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz: Für das Sachgebiet „Bauwesen, Schadensfeststellung und -ursachenermittlung“ sieht Anlage 1 zum JVEG einen Stundensatz von 114 Euro vor. So viel bekommt ein gerichtlich beauftragter Sachverständiger. Rechne bei einem privaten Auftrag mit Fahrzeit, Messgeräten und Umsatzsteuer obendrauf. Was typische Aufträge kosten, zeigen wir mit Beispielen im Beitrag Was kostet ein Bausachverständiger?
Expert Insight
Vereinbare mit dem Gutachter vorab schriftlich, welche Frage er beantworten soll: „Ursache des Schadens“, „Umfang der Durchfeuchtung“ oder „Höhe der Sanierungskosten“. Ein klar begrenzter Auftrag kostet oft nur einen Bruchteil eines Vollgutachtens. Und er liefert genau das Papier, das du für die Verhandlung mit dem Versicherer brauchst.
Das Sachverständigenverfahren mit Rechenbeispiel
Im Sachverständigenverfahren benennen du und der Versicherer je einen Sachverständigen, die gemeinsam einen Obmann bestimmen. Dessen Entscheidung ist verbindlich. Du zahlst deinen Sachverständigen und die Hälfte des Obmanns. Das Verfahren lohnt sich erst, wenn der erwartete Mehrbetrag diese Kosten klar übersteigt.
Das Verfahren steht in fast allen Gebäude- und Hausratbedingungen. In den GDV-Musterbedingungen regelt es A 18 der VGB 2022: Du kannst es nach dem Schaden verlangen. Weichen die beiden Sachverständigen voneinander ab, entscheidet der Obmann, und zwar nur innerhalb der Spanne, die die beiden festgestellt haben. Das Ergebnis bindet beide Seiten. Nur wenn es offenbar erheblich von der wirklichen Sachlage abweicht, entscheidet ein Gericht (§ 84 Abs. 1 VVG). Bei den Kosten gilt laut A 18.6: Jede Partei trägt ihren Sachverständigen, den Obmann teilt man sich.
Ob sich das rechnet, zeigt ein Beispiel. Die Zahlen sind angenommen, die Stundensätze orientieren sich am JVEG. Private Honorare können darüber liegen.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Angebot der Versicherung | 8.500,00 € |
| Feststellung deines Sachverständigen | 15.000,00 € |
| Dein Sachverständiger: 14 Std. × 114 € + 19 % USt. | 1.899,24 € |
| Obmann: 10 Std. × 114 € + 19 % USt. = 1.356,60 €, davon die Hälfte | 678,30 € |
| Deine Verfahrenskosten | 2.577,54 € |
| Fall A: Obmann setzt 12.400 € fest, Mehrbetrag 3.900 € | +1.322,46 € |
| Fall B: Obmann setzt 11.000 € fest, Mehrbetrag 2.500 € | −77,54 € |
Fall B ist realistisch, denn der Obmann ist an keine der beiden Zahlen gebunden, nur an die Spanne dazwischen. Als Faustregel aus dieser Rechnung: Unter einer Differenz von rund 5.000 Euro zwischen Angebot und deinen belegten Kosten bringt das Verfahren meist wenig. Dann sind nachgereichte Handwerkerangebote und ein kurzes Ursachengutachten der bessere Hebel. Bei einem Schaden mit ausgebautem Estrich, nasser Dämmung und Mietausfall sieht die Rechnung anders aus.
Trocknung: Dauer, Messprotokoll und Stromkosten
Die Trocknung endet, wenn Messungen zeigen, dass Estrich und Wände wieder ausreichend trocken sind, nicht nach einer festen Zahl von Tagen. Lass dir Anfangs- und Endmessung schriftlich geben. Den Strom der Trockner zahlst du zunächst selbst, du kannst ihn aber mit Zählerfotos geltend machen.
Bei einem Rohrbruch im Fußbodenaufbau steht das Wasser meist nicht im Raum, sondern in der Dämmschicht unter dem Estrich. Dort trocknet es nur mit Unterflurtrocknung: Die Firma bohrt den Estrich an, saugt mit einem Verdichter Luft durch die Dämmschicht und entfeuchtet sie über Kondenstrockner. Das läuft rund um die Uhr. Ob sich Trocknen oder Rückbau mehr lohnt, hängt vom Dämmstoff und der Durchfeuchtung ab. Genau hier lohnt sich eine unabhängige Meinung, wenn Versicherer und Trocknungsfirma unterschiedliche Vorstellungen haben.
Der Strom läuft über deinen Zähler. Wie viel zusammenkommt, zeigt eine Beispielrechnung mit dem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 37,3 Cent je Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse, Oktober 2026). Die Leistungsaufnahme deiner Geräte steht auf dem Typenschild, die Werte unten sind angenommen.
| Gerät (Annahme) | Laufzeit | Verbrauch | Kosten |
|---|---|---|---|
| 2 Kondenstrockner à 0,7 kW | 21 Tage × 24 Std. | 705,6 kWh | 263,19 € |
| 1 Verdichter für die Dämmschicht, 1,0 kW | 21 Tage × 24 Std. | 504,0 kWh | 187,99 € |
| Summe | 1.209,6 kWh | 451,18 € |
Gut 450 Euro sind kein Betrag, den du verschenken solltest. Die Trocknung dient dazu, den Schaden zu begrenzen und das Gebäude wiederherzustellen. Ihre Kosten gehören deshalb zur Abrechnung mit dem Versicherer, und nach § 83 Abs. 1 VVG kannst du sogar einen Vorschuss verlangen. Ohne Nachweis wird daraus schnell eine Pauschale. Fotografiere den Zähler, bevor das erste Gerät läuft und nachdem das letzte abgebaut ist. Wenn die Firma einen Zwischenzähler setzt, umso besser. Als Mieter forderst du den Betrag beim Vermieter ein, der ihn über seine Gebäudeversicherung abrechnet.
Typische Fehler, die nach einem Wasserschaden Geld kosten
Am teuersten sind eine verspätete Meldung, ein voreiliger Rückbau ohne Absprache, fehlende Fotos und eine unterschriebene Abfindungserklärung, bevor die Trocknung abgeschlossen ist. Auch Folgeschäden wie Schimmel werden oft zu spät erkannt, weil nach der Trocknung niemand mehr nachmisst.
Rückbau ohne Absprache. Wer am Wochenende den Estrich herausstemmt, weil es „eh raus muss“, nimmt dem Versicherer die Möglichkeit, den Schaden zu prüfen. Notmaßnahmen sind erlaubt und sogar Pflicht. Großflächiger Rückbau braucht eine Weisung oder zumindest einen dokumentierten Versuch, eine zu bekommen.
Ein Handwerker für alles. Leckortung, Trocknung und Sanierung aus einer Hand ist bequem. Die Firma, die trocknet, entscheidet dann aber auch, wann der Estrich als trocken gilt. Bei größeren Schäden hilft eine unabhängige Endmessung.
Abfindung zu früh unterschreiben. Manche Versicherer bieten nach wenigen Tagen eine Pauschale an. Wer unterschreibt, bevor das Messprotokoll vorliegt, verzichtet oft auf Nachforderungen für Feuchte, die erst später auftaucht.
Leitungswasser und Bauschaden verwechseln. Ist das Haus neu und tritt Wasser durch eine fehlerhafte Abdichtung oder Installation aus, kommt neben der Versicherung auch der Bauunternehmer in Frage. Die Fristen dafür laufen getrennt, siehe Baumängel und Verjährung nach BGB.
Mietminderung vergessen. Als Mieter mindert sich die Miete bei einer erheblichen Beeinträchtigung kraft Gesetzes (§ 536 BGB). Voraussetzung ist, dass du den Mangel angezeigt hast (§ 536c BGB). Ohne Anzeige riskierst du, selbst für Folgeschäden geradezustehen.
Meine Einschätzung
Für den typischen Rohrbruch mit einem nassen Bad und einem angrenzenden Flur brauchst du keinen eigenen Gutachter. Gute Fotos, ein sauberes Messprotokoll und zwei Handwerkerangebote bringen dich weiter als ein teures Gutachten. Holen solltest du einen unabhängigen Bausachverständigen, sobald die Versicherung an der Ursache zweifelt oder den Rückbau der Dämmschicht verweigert. In diesen Fällen geht es schnell um fünfstellige Beträge, und dort entscheidet die Ursachenfrage über alles.
Das Wichtigste in Kürze
- Sofort handeln, unverzüglich melden, Weisungen einholen (§§ 30, 82 VVG).
- Gebäudeschäden zahlt die Wohngebäude-, Einrichtung die Hausratversicherung. Rückstau und Grundwasser sind nur über Elementarschutz versichert.
- Eigene Gutachterkosten erstattet der Versicherer grundsätzlich nicht (§ 85 Abs. 2 VVG).
- Das Sachverständigenverfahren kostet dich deinen Sachverständigen plus den halben Obmann. Unter rund 5.000 Euro Differenz lohnt es sich selten.
- Stromzähler zu Beginn und Ende der Trocknung fotografieren, nach einem Monat bei Bedarf Abschlag verlangen (§ 14 VVG).
Häufige Fragen zum Gutachter beim Wasserschaden
Muss ich den Gutachter der Versicherung in meine Wohnung lassen?
Eine gesetzliche Pflicht, ihn hereinzulassen, gibt es nicht. Die Versicherungsbedingungen verpflichten dich aber, bei der Schadenfeststellung mitzuwirken. Verweigerst du die Besichtigung, kann der Versicherer die Leistung kürzen oder verweigern. Du darfst beim Termin dabei sein und einen eigenen Sachverständigen mitbringen.
Ist das Gutachten der Versicherung für mich verbindlich?
Nein. Das Gutachten, das der Versicherer allein beauftragt, ist seine Einschätzung. Verbindlich wird eine Feststellung erst im vereinbarten Sachverständigenverfahren, und auch dann nicht, wenn sie offenbar erheblich von der wirklichen Sachlage abweicht (§ 84 Abs. 1 VVG).
Wie lange dauert die Trocknung nach einem Wasserschaden?
Das hängt vom Bauteil ab. Feuchte Wandoberflächen trocknen schneller als eine durchnässte Dämmschicht unter dem Estrich. Maßgeblich ist die Endmessung, nicht ein Kalenderdatum. Lass dir Anfangs- und Endwerte im Protokoll geben, bevor neue Bodenbeläge verlegt werden.
Wer zahlt den Wasserschaden in der Mietwohnung?
Schäden am Gebäude zahlt die Wohngebäudeversicherung des Vermieters, deine Möbel und Geräte zahlt deine Hausratversicherung. Hast du den Schaden verursacht, etwa durch einen ungesicherten Waschmaschinenschlauch, kann deine Privathaftpflicht in Anspruch genommen werden.
Lohnt sich ein Gutachter bei einem Wasserschaden vor dem Hauskauf?
Ja, wenn der Verkäufer einen Wasserschaden angibt oder du Flecken, Geruch oder frisch gestrichene Stellen siehst. Ein Bausachverständiger misst die Restfeuchte und prüft, ob fachgerecht saniert wurde. Bei Wänden mit dauerhafter Feuchte hilft dir zusätzlich unser Beitrag zur aufsteigenden Feuchtigkeit.
Quellen
- Versicherungsvertragsgesetz (VVG), §§ 14, 30, 82, 83, 84, 85, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 30.10.2026
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), §§ 195, 199, 536, 536c, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 30.10.2026
- Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG), § 9 und Anlage 1 Nr. 4.3, gesetze-im-internet.de, abgerufen am 30.10.2026
- GDV: Allgemeine Wohngebäude Versicherungsbedingungen (VGB 2022 – Wert 1914), unverbindliche Musterbedingungen, A 4, A 7, A 11, A 12, A 18, gdv.de
- GDV-Zahlen zu Leitungswasserschäden 2022 bis 2025, vorgestellt auf der VdS-Fachtagung am 10.09.2026, berichtet von Wohnungswirtschaft heute
- BDEW-Strompreisanalyse Oktober 2026, durchschnittlicher Haushaltsstrompreis, bdew.de


